Seit Dienstag, 17.03.2020 sind wir alle zu Hause. Alle Schulen sind zu und unsere Arbeitgeber haben uns ins Home-Office geschickt. Gut – ich mache schon seit vielen Jahren „Home-Office“. Allerdings an einem Tag die Woche. Und meist bin ich dann alleine. Jetzt sind es plötzlich 5 Tage und wir sind zu viert. Das ist was anderes.

Die Schulen haben sich ja mehr oder weniger ad-hoc entschieden, ihren Unterricht zu digitalisieren – zwangsläufig. Wenn man das so nennen kann. Genau genommen haben sie die Kids nach Hause geschickt und lassen sie jetzt mit ihrer Digitalisierung alleine. Apps und Cloud-Lösungen, die aufgrund der vielen Zugriffe nur temporär nutzbar sind, sind da nur ein Teil des Problems. Wieder mal hat jede Schule ihre „eigene“ Lösung. Moodle, Bettermarks usw. Und die Eltern können schauen, wie sie damit klar kommen. Ich bin momentan jeden Tag mehrere Stunden damit beschäftigt verschiedenste Hardware, vom Windows PC bis zum iPad, und die damit zusammenhängenden Applikationen und die Infrastruktur zu administrieren und am Laufen zu halten. Nebenbei soll ich dann auch noch arbeiten!

Und dabei würde ich sagen, sind wir hier bei uns zu Hause noch relativ gut ausgerüstet für solche Fälle. Für manch andere Familie wird diese Situation zur echten Herausforderung. Und das hauptsächlich, weil unser sogenanntes Schulsystem – von einem Bildungssystem will ich gar nicht sprechen – irgendwann im letzten Jahrtausend stecken geblieben ist. Erschwerend kommt noch dazu, dass plötzlich diverse Server und Internetverbindungen schwächeln und etliche Dienste gar nicht mehr zuverlässig funktionieren, wie bspw. Videokonferenzen (die man bevorzugt OHNE Video machen soll – sinnvoll…) oder Streaming-Dienste (die zum Lernen aber nicht schlecht wären). Hochtechnologie-Land Deutschland…

In welche Infrastrukturen haben wir unser Geld in den letzten Jahren denn gesteckt? In ein LTE-Netz, das nun aufgrund von volumenbeschränkten Tarifen kaum jemandem nutzt? In 5G, bevor 4G überhaupt flächendeckend funktioniert? In iPads für Schulen, die dann niemandem nutzen, wenn man sie braucht, weil keine adäquaten Infrastrukturen dahinter vorhanden sind? In Flughäfen, die nicht fertig werden 😉

OK. „Was soll das Jammern?“, fragt sich jetzt vielleicht der geneigte Leser. Schliesslich haben wir gerade grössere Probleme, als lahmes Internet und nicht antwortende Server. Ja, stimmt. Während wir uns auf die Ausbreitung des Corona-Virus jedoch vermutlich kaum hätten vorbereiten können, hätte es für die anderen Themen durchaus viele Ansätze gegeben, die uns jetzt helfen könnten, gewisse Systeme problemlos aufrecht zu erhalten. Aber so bastelt jede Schule und viele Unternehmen an möglichst adäquaten Lösungen herum und hofft darauf, dass die dafür notwendigen Infrastrukturen nicht zusammenbrechen. In der Schweiz denkt man bereits darüber nach Streaming-Dienste wie Amazon Prime und Netflix abzuschalten, um die Systeme am Laufen zu halten. In Singapur und Schweden vermutlich kein Thema.

Infografik: Buffering: Die Deutschen laden länger | Statista
Quelle: statista.de

Jetzt schauen wir mal, wie es in den nächsten Tagen weitergeht. Die Familie rückt jedenfalls – zwangsläufig – enger zusammen. Und so lange die Regale mit dem Toilettenpapier, den Nudeln und dem Toast alle paar Tage wieder voll sind, um leergekauft zu werden (WTF macht ihr mit dem ganzen Toilettenpapier?) und wir tagsüber unsere Web-Konferenzen machen (ohne Video…) und am Abend gemeinsam einen Film anschauen können, ist ja alles nicht so schlimm.

Also: bleibt gesund!

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