Ein Gruss an alle Weltuntergangsbeschwörer und Verschwörungstheoretiker in Zeiten des Corona-Virus! „Morituri te salutant“ – die Todgeweihten grüssen dich.

Einer der wenigen Reste meiner nicht vorhandenen Latein-Kentnisse aus zahlreichen Asterix & Obelix Büchern. Ja, ihr Negativisten und Negativistinnen. Lasst uns das Ende der menschlichen Zivilisation herbei reden, oder besser herbei schreiben. Ich finde es fürchterlich, welche Stimmung teilweise, speziell in den sozialen Medien, dieser Tage gemacht wird. Anscheinend gibt es nur noch „Gute“ und „Böse“ Menschen auf unserem Planeten, wobei die jeweilige Definition und Festlegung wer zu den Einen und wer zu den Anderen gehört natürlich die- bzw. derjenige trifft, der da gerade was von sich gibt, bei Facebook und Co.

Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Meinungsfreiheit daher. Über die Anderen zu urteilen hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Sonst müsste es ja auch „Urteilsfreiheit“ heißen, oder so. Was mich aber noch mehr ärgert ist, mit welcher Unreflektiertheit gewisse Dinge einfach kopiert oder geteilt werden. Wem bringt es was, wenn sich Dutzende von Facebookern und Facebookerinnen (dieses Gender-Zeug nervt mich jetzt langsam, deshalb fahre ich jetzt mit der männlichen Form fort…) darüber echauffieren, dass die „gesamte Jugend“, die sich in den letzten Monaten bei den F4F-Demos getroffen hat, jetzt mit Corona-Parties die Gesundheit des deutschen Volkes aufs Spiel setzt? Sind wir im Zeitalter von Social-Media tatsächlich nicht mehr in der Lage zu differenzieren, oder womöglich sogar eine eigene differenzierte Meinung zu bestimmten Sachverhalten zu haben?

Ok, jetzt pauschalisiere ich in gewisser Weise auch. Natürlich trifft das nicht auf alle Menschen zu, die bei FB und Co. unterwegs sind. Aber die, auf die es zutrifft nerven mich. Wenn ich keine Lust habe mich im Detail mit einem bestimmten Sachverhalt auch nur ansatzweise auseinanderzusetzen, dann halte ich doch vielleicht einfach mal die Fresse (Sorry!) und blöke nicht den anderen Schafen alles hinterher. Manchmal wünsche ich mir, die Kommentar-Funktion bei Facebook würde nur noch dann aktiviert werden, wenn man sich zuvor mindestens den relevanten Eintrag bei Wikipedia, oder wenigstens den letzten Artikel der BILD zum Thema durchgelesen hat…

Quelle: pixabay.com

Plötzlich sind alle Raststätten für LKW geschlossen und die Fahrer können nicht mehr Duschen. Und schon am nächsten Tag kommen Dutzende von geteilten Postings von Raststätten und Firmen, die den LKW-Fahrern Duschmöglichkeiten anbieten. Mag ja sein, aber können wir nicht die Information an sich dann auch so stehen lassen? Nein, können wir nicht. Alle Pächter von Raststätten sind ab sofort in die Kategorie „böse“ einzuordnen und alle, die bei FB posten, dass sie natürlich ihre Duschen zur Verfügung stellen, kommen in die Kategorie „gut“. Und zu alledem kommt dann noch, dass du quasi automatisch zu den Bösen gehörst, wenn du dich nicht umgehend dahingehend „outest“, dass du natürlich zu den Guten gehörst. Leute, so einfach ist diese Welt nicht, war sie auch nie und wird sie auch niemals sein. Mal mit einem Pächter gesprochen, der das macht und warum? Mal recherchiert, ob es denn tatsächlich so viele sind, die das tun? Ich weiß es nicht. Und deshalb werde ich hier auch niemanden in eine Schublade stecken. Weder in die Eine, noch in die Andere.

Irgendwie verstehe ich es ja, dass manch einem schwummerig wird in der aktuellen Lage. Und bei vielen sicherlich auch zu Recht. Aber Polarisierung spaltet die Gesellschaft und was wir jetzt brauchen ist Solidarität. Das Zuordnen ganzer gesellschaftlicher, beruflicher oder Alters-Gruppen in Böse oder Gut bringt da gar nix. Natürlich gibt es immer auch tatsächlich Einzelne (und ja, „Einzelne“ können in einem Land mit mehr als 80 Millionen Einwohner auch mal einige Tausend sein), die aus dem gesellschaftlichen oder vielleicht sogar aus dem rechtlichen Rahmen fallen. Das gibt uns aber nicht das Recht ganze Bevölkerungsgruppen zu beschimpfen oder zu verunglimpfen. Das haben wir nicht in der Flüchtlingskrise gebraucht, wir haben es nicht bei den F4F-Demos gebraucht und wir brauchen es auch nicht jetzt, in der Corona-Krise. Jedenfalls nicht in dieser Pauschalität. Das ist in aller Regel ungerecht gegenüber den Meisten und schürt nur Konflikte.

Ich will hier keinem gute Ratschläge geben. Ich selbst habe für mich aber den Anspruch, mir zunächst ein möglichst gutes Bild zu verschaffen, bevor ich mich zu gewissen Themen äussere. Sicher gelingt mir das nicht immer. Aber wenn ich eine eigene Meinung habe und diese in den sozialen Medien kund tue (wie auch hier), dann kann basierend darauf wenigstens eine Diskussion entstehen, aus der ich etwas lernen kann. Wer unreflektiert die Meinung Dritter kopiert oder weiterleitet, der verteidigt am Ende vielleicht etwas, was er selbst (noch) gar nicht versteht. Und wer versucht seine eigene Meinung zu artikulieren, der denkt normalerweise zwangsläufig auch darüber nach, was er da von sich gibt. Das ist etwas anstrengender, als „Kopieren – Einfügen“, hilft aber ungemein, sich etwas tiefer und differenzierter mit den Dingen auseinanderzusetzen.

Vielleicht ist dann schlussendlich die Welt doch nicht so schlecht und böse. Vielleicht ist sie doch nicht dem Untergang geweiht. Wer weiß?

Und wer bis dahin was zu Essen oder zu Trinken brauch (oder sonst was), der darf gerne mal hier vorbeischauen: https://www.mitreiter.de/?page_id=1252

Bleibt gesund!

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