Gefühlt beschäftigt sich halb Deutschland ja gerade mit der Frage: wann ist es endlich vorbei? Die Dashboards und Statistiken schiessen nur so aus dem Boden, wie die Pilze im feuchten Dickicht in den dunkelsten Ecken des Schwarzwaldes.

Wieviele neue „Fälle“ gab es denn heute wieder? Wieviele Tote? Mehr oder weniger als gestern? Gehen die Fallzahlen hoch, oder runter? Oder gehen sie weniger hoch, als zuvor? Und was bedeutet das jetzt? Haben wir den Höhepunkt überschritten, oder nicht?

Viele bunte Grafiken. Die Webdesigner zeigen, was sie für tolle Tools haben und was man damit machen kann. Aber kann einem auch mal jemand erklären, was die vielen schönen bunten Bildchen bedeuten? Kann mal jemand auch nur ansatzweise valide Prognosen erstellen? Nö! Dazu findet man nämlich nix. Danke! Ok, „nix“ stimmt nicht. Einige Studien gibt es schon dazu. Aber so schöne bunte Bildchen, wie bei den anderen Zahlen gibt es nicht. Da muss man sich dann schon durch seitenlange Texte durchlesen, die nur so von Konjunktiven wimmeln. „Für den Fall dass…“, „Würden…“ usw.

Immerhin lehnen sich die Forscher so weit aus dem Fenster, dass sie den Höhepunkt in Deutschland für Mai vorhersagen. Dann sollen zwischen 500.000 und 5 Mio. Deutsche infiziert sein. Für solche hochpräzisen Prognosen braucht es dann schon ein interdisziplinäres Forscherteam, dass tagelang rechnet. Oder mein persönliches und hochpräzises Schätzeisen. Oder wir multiplizieren die Vorhersage der morgigen Tageshöchsttemperatur einfach mit einem Faktor, den wir der Einfachheit halber hier mal „x“ nennen. Dürfte alles ungefähr auf das selbe hinauslaufen. Und nur am Rande bemerkt: in China stagniert die Zahl der Infizierten schon seit längerem bei deutlich unter 100.000.

Während uns also hoch dotierte Prognose-Institute die Wahlergebnisse der nächsten Bundestagswahl mit mindestens einer Stelle nach dem Komma quasi tagesaktuell vorhersagen können, schaffen wir es nicht anhand der vorliegenden weltweiten Datenbasis genauere Prognosen zu generieren, als solche die um den Faktor 10 auseinanderliegen? Wissensgesellschaft Deutschland – Ha Ha… Ich prognostiziere dann mal: die CDU wird bei der nächsten Wahl zwischen 5 und 50 Prozent landen. Genial, oder?

Wo sind denn die ganzen coolen Berliner Start-Ups, die uns mit künstlicher Intelligenz angeblich alles erklären können? Oder wo sind wenigstens die Prognose-Institute? Nichts zu hören und zu sehen. Statt dessen lässt man Wissenschaftler und Web-Designer auf die Menschheit los. Die einen verstehen (angeblich) alles, aber können es nicht erklären und die anderen können weder das eine, noch das andere – aber es sieht in jedem Fall gut aus.

Ich bin jedenfalls gespannt auf den Tag, an dem die erste schöne Prognosekurve im Dashboard des RKI oder der Johns Hopkins University auftaucht, auf der man wenigstens mal ansatzweise ein Gefühl dafür bekommt, wie das ganze weitergehen könnte, ohne dass man vier Semester Statistik studiert haben muss.

Jungs: traut euch! Die Kollegen von der Wettervorhersage machen das seit Jahrzehnten. Klar liegen sie auch immer mal wieder daneben. Aber jede Prognose ist besser als gar keine. Vielleicht hat ja von euch jemand eine zündende Idee. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt 😉

Bleibt gesund!

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