Hurra! Die Schulen sind wieder offen. Sind sie das? Nicht wirklich.

Unsere Politiker fühlen sich anscheinend jedesmal wie die Retter des Universums, wenn sie uns neue „Lockerungen“ wie die berühmte Karotte vor die Nase halten. Sind sie aber nicht. Das sind nämlich die Avengers. Und in Zeiten von Corona hat man auch genügend Zeit sich alle Folgen von „Iron Man 1“ bis zu „Endgame“ anzuschauen. Der Leader der Avengers, Robert Downey Jr. – aka Tony Stark – hat es übrigens schlussendlich nicht überlebt (uups, Spoiler). Mal schauen, wie es unseren „Leadern“ am Ende ergeht. Und: die Avengers waren und sind Superhelden. Bei unseren Politikern würde ich da eher sagen: „Na, super – ihr seid mir so Helden.“ Immerhin ein Anfang.

Hurra – der Friseur hat offen. Toll – wir können wieder in den Zoo. Fantastisch – das Nagelstudio macht auf. Grossartig – die Kinder dürfen wieder auf die Spielplätze (aber nur maximal 10 davon!). Sollen wir euch jetzt jedesmal auf der Berliner Fanmeile feiern, wie die Weltmeister von 2014, wenn ihr uns die Genehmigung dafür gebt, unsere Grundrechte wieder wahrzunehmen, wie das in einem demokratischen Deutschland seit den 50ern vollkommen normal war (östliche Teile des Landes müssen hiervon leider ausgenommen werden, sorry)? Ach nee. Geht ja nicht. Großveranstaltungen wird es in „absehbarer Zeit“ nicht mehr geben. Wobei einmal mehr offen bleibt, was in diesem Zusammenhang „groß“ bzw. „absehbar“ bedeutet. Allerdings sollte absehbar ja absehbar sein. Bei Politikern ist das allem Anschein nach aber anders. Da ist „absehbar“ irgendwie nicht so richtig absehbar. Genug davon. Da wird man ja wirr im Kopf. Dann lieber eine Flasche Rotwein. Macht auch wirr – ist aber irgendwie lustiger.

Ja, und bei den Schulen – sorry, wenn ich jetzt auf dem Thema herumreite – da ist es anscheinend nicht mal absehbar. Also „unabsehbar“. Blindflug. Gorillas im Nebel sozusagen (Kretschmanns Frisur würde da gar nicht mal so aus der Reihe fallen). Keine Ahnung, kein Plan, kein Konzept. Ist es nicht ein Wink des Schicksals, dass unsere Kultusministerin „Eisenmann“ heisst? The return of Ironman! Die Rettung der Welt ist nah.

Ok, mir ist schon klar, dass die teilweise Öffnung von Schulen, die jetzt erfolgt ist, ein Experiment darstellt. Schauen wir mal, ob es in den nächsten zwei Wochen funktioniert, ohne dass tausende von Schülerinnen und Schülern mit Corona nach Hause kommen und das halbe Land in Quarantäne landet. Das zu prüfen wäre ja mal ein Plan. Fakt ist aber, dass keinerlei systematische oder statistisch belastbaren Tests bei Schülern überhaupt nur geplant sind. Auch bei Lehrern Fehlanzeige. Was bei Bundesliga-Profis geht, geht bei Schülern nicht. Warum auch?

Oder besser: warum nicht? Ich weiss es: weil es keinen interessiert! Die Schulen im „Notbetrieb“ zu halten schont nicht nur die Nerven der Kultusministerin, es schont auch den Geldbeutel der Kommunen. Schulen sind nunmal kein wirtschaftlich relevanter Faktor. Ja, die Abschlussklassen muss man jetzt irgendwie durchbringen. Wie sollte man es auch verkaufen, dass ein Schüler nach 12 oder 13 Jahren jetzt sein Abitur nicht bekommt. Oder dass ein Azubi seinen Abschluss nicht machen kann. Chancengleichheit – blahblah. Die künftigen Akademiker und Handwerker brauchen wir ja dringend. Und der „Rest“? Sch…egal!

Schüler haben keine Lobby. Und Bildung hat in einem Land, welches seit Jahren behauptet, sich von einer Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft entwickelt zu haben – oder zu wollen – immer noch nicht den Stellenwert, den die Automobilindustrie oder die Bundesliga hat. So sieht‘ aus.

Man weiss es ja eigentlich. Aber dass es die politisch Verantwortlichen so gnadenlos konsequent durchziehen, ist dann doch irgendwie frustrierend. Und kommt mir nicht mit den üblichen Plattitüden, dass Schüler den Abstand nicht einhalten können und die Gefahr im Freien doch viel geringer ist. Da verweise ich nur mal kurz auf den Fussball-Profi Kalou, oder auf Museen und Spielplätze. Lehrer und Schüler sind sicher nicht dümmer als Fussballer oder Kleinkinder auf dem Spielplatz. Die meisten Schulen sind garantiert in der Lage, dieses Thema in den Griff zu bekommen – wenn man will und sie lässt.

Aber wie gesagt: Schulen sind kein Wirtschaftsfaktor, kosten Geld und haben keine Lobby. Ausser die paar bescheuerten, steuerzahlenden Eltern, die das Ganze überhaupt interessiert.

Macht als nächstes also bitte Tattoo- und Fitness-Studios auf, Bolder-Hallen und Freizeit-Parks und lasst die Schulen möglichst lange zu. Lasst euch feiern für jedes Badeparadies, das wieder öffnen darf. Und lasst die Schulen zu. Dann haben wir wenigstens Zeit, mit unseren Kids auch mal unter der Woche in den Europapark zu gehen. Vielleicht merken wir dann irgendwann, in ein paar Monaten, dass es ohne Schule auch geht. Sogar besser. Dann machen wir die alle komplett dicht und entlassen aller Lehrer. Damit können wir dann die Steuerhilfen und Konjunkturspritzen für die Automobilindustrie gegenfinanzieren.

Und alle sind glücklich – und bleiben dumm. Der Staat freut sich. Mal schauen, ob Tony Stark – aka Eisenmann – es diesmal überlebt.

Bleibt gesund!

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