Hier mein Schreiben an das Kultusministerium (Frau Eisenmann) Baden-Württemberg:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre E-Mail Adresse habe ich über den Landeselternbeirat Baden-Württemberg erhalten und ich möchte vorneweg anführen, dass ich die, in dessen Elternbrief vom 29.04.2020 aufgeführten, Argumente in weiten Teilen unterstütze (https://leb-bw.de/infos-downloads/info/620-elternbrief-29-04-2020/file).
Die Öffnung von Spielplätzen, Zoos, Museen, Friseuren, Nagelstudios, Restaurants, oder die nun geplante Durchführung von Bundesligaspielen und Öffnung für den Breitensport sind zweifelsohne wichtige und richtige Signale. Bei der Öffnung der Schulen vermisse ich diese jedoch nahezu gänzlich. Es ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar, warum es – wenn auch unter Auflagen – möglich sein soll einen Freizeitpark wie den Europapark in Rust zu öffnen, während es für unsere Schulen bzw. Schülerinnen und Schüler nach wie vor offensichtlich kein Konzept gibt, um diese wieder vollzählig in den Unterricht zu bringen.
So bleibt aus meiner Sicht derzeit nur die bittere Erkenntnis, dass in unserem Land – in dem wir seit vielen Jahren den Anspruch erheben, uns von einer Industrie- in eine Wissensgesellschaft zu wandeln – die wirtschaftlichen Interessen über der Bildung unserer Kinder stehen. Nun gut. Das war abzusehen und kann in einer solchen Situation eventuell noch einer gewissen nachvollziehbaren Logik folgen. Richtig schlimm wird es für mich aber, wenn offensichtlich selbst das Freizeitvergnügen über der Bildung steht. Und dieses Eindrucks kann man sich derzeit tatsächlich nur sehr schwer verwehren. 
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Eisenmann, ich bin mir sehr der Tatsache bewusst, dass Kinder keine Lobby haben (ein Grund, warum ich Ihnen persönlich schreibe). Sie haben keine Interessenverbände und wenn, dann ist deren politische Wirkung so gering, dass sie als vernachlässigbar bezeichnet werden kann (sieh bspw. o.a. Landeselternbeirat). Diese Tatsache darf aber nicht dazu führen, dass Schulen, Schülerinnen und Schüler – letzten Endes also die Bildung, Aus- und Weiterbildung unserer Kinder, und damit die Zukunft unseres Landes – nun im wahrsten Sinne der Worte „das Letzte“ sind. Zeigen Sie uns, dass Ihnen Bildung mindestens genau so wichtig ist, wie finanzielle Interessen, wie das Ausrollen des „roten Teppichs“ für die Lobbyisten und Verbände. Zeigen Sie uns, dass Ihnen unsere Zukunft – unsere Kinder – genau so viel Wert sind, wie Geld und Macht. Und vergessen Sie nicht: die Schülerinnen und Schüler von heute, sind die Wählerinnen und Wähler von morgen.
In diesem Sinne fordere ich Sie auf umgehend Konzepte erarbeiten zu lassen, die es ermöglichen, dass alle unsere Schul-Kinder noch deutlich vor Pfingsten wieder in den Unterricht gehen können. Natürlich wird das nur mit Einschränkungen möglich sein, aber wenn Freizeitparks, Museen und Bundesliga-Vereine in der Lage sind hierzu Konzepte zu erstellen, muss das auch im Kultusministerium und in den Schulen eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt möglich sein. Zeit genug hatten Sie und bis zu den Pfingstferien ist auch noch jede Menge Zeit hierfür.

Dieses Schreiben geht in Kopie an den Landeselternbeirat Baden-Württemberg und wird – mindestens in Teilen – auch über soziale Medien veröffentlicht.

Mit den besten Grüssen,
Manfred M. Mitreiter

Und hier noch mein Schreiben an den Landeselternbeirat Baden-Württemberg:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch Ihnen dürfte sicherlich nicht entgangen sein, dass mittlerweile sogar über eine Öffnung von Freizeitparks gesprochen wird, während die Schulen weiterhin nur einem „erlauchten“ Kreis offen stehen sollen. Erstaunlich ist es für mich schon, dass sich aus jeder Ecke die Lobby meldet, sei es die Gastronomie, die Fitness-Studios, oder Friseure. Selbst die Fusspfleger positionieren sich, stellen Forderungen und bieten Konzepte. Und was macht der LEB? Von Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Sie von sich behaupten „nur den Kindern verpflichtet“ zu sein, hört und sieht man in der aktuellen Diskussion hierzu NICHTS. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, dass unsere Kinder nun bis zu den Sommerferien quasi keinen Unterricht mehr haben werden. Und was tun Sie? Sie schauen zu. Ich erwarte, dass Sie sich in dieser Situation nun eindeutig positionieren, Konzepte erarbeiten und vorschlagen und damit Ihrer durch Sie selbst proklamierten Verpflichtung gegenüber unseren Kindern endlich nachkommen. TUN Sie endlich etwas, damit nicht nur Lobbyisten mit wirtschaftlichen Interessen in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchen, sondern auch unsere Zukunft: unsere Kinder.

Viele Grüsse,
Manfred Mitreiter

5 Kommentare

  1. Europa Park öffnet, Kitas öffnen und ich als Tagesmutter mit maximal fünf Tageskindern habe weiterhin Betreuungsverbot – über uns wird nicht mal gesprochen…. Kinder HABEN keine Lobby, nicht mal bei den eigenen Eltern, wie man jetzt wieder sieht. Wenn Du hier was ändern willst, geht es Dir wie Don Quichotte mir den Windmühlen…. meine Erfahrung nach über 20 Jahren! 🤗

  2. Super! Schon Antwort erhalten? Habe auch gemailt. Vor allem wollte ich zumindest ein konzept für das neue schuljahr, auch da werden ja nicht alle auf einmal in die schule können. Soll alles so weiter gehen? Keine lobby, kein konzept, keine perspektiven. Kann ich Sie irgendwie unterstützen?

  3. Schaut nach Dänemark: Dort ist seit Mitte April wieder Schule und Kita. Mit Erfolg. Bringt unseren Kindern endlich wieder Struktur in ihren Tagesablauf und ermöglicht sinnvolles Lernen. Schluss mit der Homeschooling-Belastung für Nerven und Gemüt aller (Eltern wie Kinder). Erstellt endlich ein Konzept wie z.Bsp. Niedersachsen. Nicht zuletzt auch für den Schutz von Lehrern/-innen und Erziehern/-innen, welche altersbedingt zur Risikogruppe gehören. Bildungs- u. Gesundheitswesen müssen höchste Priorität genießen, damit unser Nachwuchs eine Zukunft mit Perspektive hat.

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