Habt ihr es gehört? Oder auch nicht. Die Stille. Die Stille nach der Wahl.

Ist das nicht schön. Warum kann es nicht öfter „nach der Wahl“ sein? Es ist wie bei uns im Ort nach 19 Uhr. Ruhe! Kein Bagger, kein Presslufthammer, kein Schlagbohrer stört mehr. Friede. Oder?

Wem ist es aufgefallen? Keine Susanne Eisenmann mehr, die, wie das Murmeltier, täglich in den sozialen Medien droht, dass sie zur „dir nach Hause kommt“. EWW – Eisenmann Will’s Wissen. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an diese Wahl-Auftritte bei Facebook denke.

Während sich die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler mit Moodle, Untis und Big Blue Button herumärgern durften, hat Frau Eisenmann ganz ungeniert ihren Wahlkampf auf datenschutzrechtlich vollkommen „unbedenklichen“ Plattformen wie Facebook durchgezogen. Sie weiß also, worauf es ankommt. Was an den Schulen alles (nicht) läuft? Egal!

Das Ende war absehbar. In meinem Artikel „Bildung adjeu!“ vom Mai 2020 hatte ich das schon vermutet. „Endgame“. Die CDU ist bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg mal wieder auf ein historisches Tief abgestürzt. Die Dankeskarte dafür kann die Partei getrost an „Ironman“ Susanne Eisenmann schicken. Die Grünen dürften hinter vorgehaltener Hand mehr als nur gegrinst haben.

Und nach der Wahl war dann endlich Ruhe! Eisenmann wollte und will nichts mehr Wissen von uns. Gut. Sind wir ehrlich, dann wissen wir, dass sie auch davor schon nichts von uns wissen wollte. Es war halt Wahlkampf. Letzter Facebook-Beitrag von Frau Eisenmann: 15. März 2021. Seit dem herrscht Stille im Äther. Hatte sie uns bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg noch mindestens täglich mit Beiträgen und Livestreams penetriert, ist nun plötzlich Ruhe. Endlich. Das Volk hat gesprochen. Game over…

Aber auch bei den vermeintlichen Siegern der Wahl herrscht plötzlich Funkstille. Unser aller Landes-Papa Winfried Kretschmann ist allerdings nicht zurückgetreten. Warum auch? Er hat die Wahl ja gewonnen. Hat er? Gut, 36% der Wählerinnen und Wähler sind gar nicht wählen gegangen. Von denen, die gewählt haben, haben 32,6% „Grün“ gewählt. In nackten Zahlen bedeutet das, dass „unser aller Kretschmann“ knapp 1,6 Mio. Stimmen erhalten hat von den ca. 7,7 Mio. Wahlberechtigten in Baden-Württemberg: 20,8%, oder jede(r) Fünfte ist in „unserem Ländle“ also Grün. Oder anders herum: fast 80% eben nicht. Ein Sieg sieht für mich anders aus.

Sei’s drum. So funktioniert halt unsere Demokratie. Viel erstaunlicher finde ich, dass Winfried Kretschmann sich seit diesem „Wahlsieg“ den sozialen Medien komplett verweigert. Während „Ironman“ sich anscheinend Funkstille verordnet hat (die offensichtlich auch funktioniert, nachdem sie ihr Ausscheiden aus der Politik bekannt gegeben hat), war Herrn Kretschmann der direkte Austausch mit seinen Wählern anscheinend nach der Wahl dann plötzlich doch deutlich zu lästig.

Seine Facebook-Seite wurde kurzerhand vom Netz genommen. „Wahlkampf over…“. Warum soll er jetzt, nachdem er Ironman vernichtend mit Hilfe seiner Gefolgsleute geschlagen hat, weiterhin mit dem Pöbel kommunizieren? Macht ja keinen Sinn. Zumal die auch teilweise auch noch anderer Meinung sind (also diese läppischen 80%, die nicht Grün gewählt haben), als er. Man beachtet auch bei den Grünen offensichtlich das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Wer der Automobil-Industrie so schön huldigt, wie Herr Kretschmann, weiss natürlich, wie das Spiel läuft und kennt sich aus mit dem „Wirkungsgrad“. Es reicht doch, wenn man in fünf Jahren wieder mit sich reden lässt.

Unser grüner Sozialminister – und mein Namensvetter – Manfred „Manne“ Lucha macht das Ganze etwas subtiler, als sein Partei-Kollege Winnie. Während er die Nachricht, dass es ab kommendem Freitag angeblich wieder Impftermine gibt, fröhlich in die sozialen Medien bläst, sperrt er für unangenehme Nutzer wie mich kurzerhand die Kommentar-Funktion bei Facebook. Schade! Aber bei 2.407 Followern irgendwie zu verschmerzen.

Hier zeigt sich also einmal mehr, wie unsere Politikerinnen und Politiker sich der Diskussion und Auseinandersetzung mit uns schlicht verweigern, sobald der Wähler (oder die Wählerin) seine Stimmzettel in die Wahlurne gesteckt hat. Nach der Wahl möchte keiner mehr mit den Wählerinnen und Wählern reden. Egal ob „Gewinner“ oder „Verlierer“. Nur die Stimme zählt, nicht das, was sie sagt.

Die Politik bekommt durch dieses Verhalten einmal mehr ein bestimmtes Gesicht. Und sie bestätigt nur das, was viele sowieso von ihr halten. Die Wahlbeteiligung (übrigens, mit Ausnahme von 2006, die niedrigste seit 1960) lässt grüssen…

(Bild von Irina Ilina auf Pixabay)

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