Die Schulen sind auf. Endlich. Wenigstens teilweise. Wenigstens für manche. Inzidenz über 165? Pech gehabt! Warum? Weiss man nicht so genau. Jedenfalls wird es nicht erklärt. Im Bereich der Bildung wird so manches transparent, was bei uns in Deutschland nicht (mehr) richtig funktioniert.

Oh? Denkt jetzt so manche(r). Wieder so ein Schlaumeier, der uns erklären will, was die Politiker alles falsch gemacht haben, aber selbst keinen Plan hat! Nun, wer will, darf hier gerne aufhören zu lesen.

Ich schaue mal kurz um mich. Schaue mal kurz in die Welt, in der wir leben. Und was sehe ich? Ich sehe Drohnen, selbstfahrende Autos, Smartphones, die mein Gesicht dank künstlicher Intelligenz (KI) erkennen. Ich sehe VR-Brillen, Roboter, die Fahrzeuge zusammenbauen und Drohnen, die Pakete auf Inseln liefern. Staubsaugende und rasenmähende Roboter sehe ich, sogar welche die den Grill, oder die Fenster putzen. Und Webkonferenzen mit hunderten von Personen, verteilt auf den gesamten Globus, in HD und Stereo. Ich sehe Apps, mit denen ich mit wenigen Handgriffen Bankgeschäfte erledigen, einkaufen, oder ein Paket verschicken kann.

Aber ich sehe noch mehr. Ich schaue ins Zimmer eines 13-jährigen Kindes und sehe, wie es sich stundenlang an der PS4, oder mittels Discord mit seinen Freunden unterhält. Gemeinsam spielt er mit ihnen 3D-Spiele in einem Grad der Virtualisierung, dass man es teilweise kaum noch von der Realität unterscheiden kann. Parallel dazu kann er sich mit ihnen unterhalten, oder ihnen Nachrichten schreiben, die Millisekunden später ankommen.

Eine Welt, in der Raketen nicht mehr nur senkrecht starten, sondern auch senkrecht landen können. Eine Welt, in der wir in absehbarer Zeit Organe mit dem 3D-Drucker herstellen und zum Mars fliegen wollen. Diese Welt, mit einer Infrastruktur, die es uns erlaubt von nahezu jedem Punkt der Erde innerhalb von Sekunden Kommunikationsstrecken aufzubauen und Daten in unvorstellbarer Geschwindigkeit und Menge zu übermitteln.

In genau dieser Welt, in der es ein Dreizehnjähriger – ohne Anleitung eines Erwachsenen – schafft, sich innerhalb weniger Stunden einen Webshop aufzubauen, oder ein Computerspiel zu programmieren, gibt es ein Land, das sich selbst als Technologieführer sieht, aber nicht in der Lage ist, aus den vorhandenen Möglichkeiten und Kompetenzen mehr zu machen, als die Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, wenn die 7-Tage-Inzidenz über 165 liegt.

In einem Land, das sich damit rühmt eine „Wissensgesellschaft“ zu sein, das Milliarden in den Aufbau und Unterhalt von Infrastrukturen zur Datenübertragung wie LTE, 5G, DSL usw. investiert, gibt es Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler nicht zu Hause unterrichten können, weil das angeblich technisch nicht möglich ist.

Naja, vielleicht wissen wir ja, wie es geht. Aber wir bekommen es nicht hin!

Und nein, ich spreche hier nicht von einer Schule im hintersten Eck des Erzgebirges, oder in einem Seitental der ostbayerischen Alpen. Ich spreche von Schulen in einer Großstadt im Südwesten Deutschlands.

Wer den gesamten Artikel bis hierhin gelesen hat, dem ist vermutlich schon klar geworden, dass es natürlich nicht an der Technik liegt, dass hier so manches im Argen liegt. Es liegt an einem seit Jahrzehnten nicht reformierten System, dass sich mit großer Vorliebe in der eigenen Bürokratie suhlt und in dem der eigentliche Auftrag, nämlich die Kinder auszubilden und das Bildungsniveau in diesem Lande nicht nur zu konservieren, sondern international wettbewerbsfähig zu halten, überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Fröhlich wird die heiße Kartoffel hin- und her geworfen!

Beschwert man sich beim Kultus-Ministerium, heißt es, dass für die Umsetzung der Maßnahmen die Schulen zuständig sind. Beschwert man sich bei den Schulen, hört man, dass die Vorgaben vom Land zu kompliziert, oder nicht vorhanden wären. Mischt sich der Bund ein, um Klarheit zu schaffen, schreien sofort die Landesfürsten „Bildung ist Ländersache!“. Und so ist kaum etwas da, außer jede Menge Geld, das ohne vernünftige Konzepte aber keinem etwas nutzt.

Wer heute noch ernsthaft glaubt, dass Digitalisierung etwas mit der Beschaffung von Tablets für Lehrer und Schüler und der Installation von ein paar Fritz-Boxen zu tun hat, der geht am besten mal in ein mittelständisches Unternehmen, mit etwa so vielen Mitarbeitern, wie es Schüler an seiner Schule gibt und fragt nach, wieviele Personen für Aufbau und Unterhalt der notwendigen IT-Infrastruktur hier beschäftigt werden und wieviel Budget hierfür jedes Jahr aufgewendet werden muss.

Da sind wir dann noch lange nicht bei den notwendigen Konzepten, mittels derer man eine solche Infrastruktur möglichst ideal an die jeweiligen Bedürfnisse anpasst und die für einen nachhaltigen und kostenoptimierten Unterhalt sorgen.

Von alle dem ist an den meisten deutschen Schulen weiterhin nichts zu sehen! Und während sich die Politiker und Bürokraten in Freiburg, Stuttgart, Berlin und dem Rest der Republik noch über die Zuständigkeiten und Kompetenzen streiten, sitz der 13-jährige zu Hause am Schreibtisch und programmiert aus lauter Langeweile seine erste App zur Kontaktverfolgung bei einer Pandemie…

Es ist in höchstem Maße verwerflich, dumm und kaum noch auszuhalten, wie die in diesem Land vorhandenen Möglichkeiten durch eine ausufernde Bürokratie und eine an Selbstdarstellerei, Machtgeilheit und Eitelkeit, kaum noch zu übertreffende Politik ausgebremst und behindert werden.

Wir müssen uns dringend wandeln: von einer „Wir wissen es Gesellschaft“ zu einer „Wir tun es Gesellschaft“. Sonst ersticken wir irgendwann an dieser Mischung aus politischen Eitelkeiten, verkrusteter Bürokratie und theoretischem Wissen!

P.S: und hört auf mir zu unterstellen, ich würde nur motzen. Ich mache seit über einem Jahr permanent konkrete Vorschläge, was man tun könnte. Interessiert nur keinen…

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