Momentan diskutiert ja alle Welt über Corona. Ich auch 🙂 Viele andere Themen gehen dabei leider komplett unter. Die Probleme in Afrika zum Beispiel. Da stirbt alle 10 Sekunden ein Kind an Hunger. 2019 starben über 400.000 Menschen an Malaria. Die meisten davon in Afrika. Unser Patenkind in Äthiopien auch. Im Alter von 4 Jahren.

Was hat das jetzt alles mit E-Mobilität zu tun? Wenig. Ich möchte nur gleich zu Beginn des Beitrages versuchen, die Verhältnisse etwas zurecht zu rücken.

Nach Corona (oder COVID-19) ist jedenfalls eines der zur Zeit meist diskutierten Themen in Deutschland, die Elektro-Mobilität, kurz E-Mobilität, oder auf Denglisch E-Mobility. Warum das so ist, muss man vermutlich kaum noch erklären. Wir wollen und sollen den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren, denn der trägt massgeblich zur Erderwärmung – auch Klimawandel genannt (sorry, lieber AfDler, den gibt es wirklich…) – bei. Und Mobilität ist ein großer Treiber des CO2-Ausstoßes. Jedenfalls in hoch industrialisierten Ländern, wie es unseres ist. Schon komisch, dass eine „Wissensgesellschaft“ so viel CO2 produziert, oder? Wenn die ganzen „Nerds“ zu Hause am Laptop sitzen, kann das doch nicht so schlimm sein… Spass bei Seite. Produktion ist auch in Deutschland immer noch ein wirtschaftlicher Faktor. Und Mobilität natürlich ebenso. Und Digitalisierung ist inzwischen eine der größten CO2-Schleudern überhaupt. Wenn wir alle im Home-Office sitzen, heißt das also noch lange nicht, dass wir damit die Umwelt retten.

Ich schweife ab… Die Frage war ja, warum wir die E-Mobilität brauchen.

„Ist doch klar!“ werden einige jetzt sagen. „Das senkt die lokalen Emissionen.“ „Damit schonen wir die endlichen Ressourcen des Planeten.“ usw. Alles nicht falsch. „Die Gesamt-Öko-Bilanz eines E-Autos ist schlechter, als die eines Diesel.“, „Die Ausbeutung verlagert sich nur auf andere, endliche Ressourcen, wie Lithium.“ sagen andere. Auch nicht daneben. Ähnliche Argumente finden wir problemlos auch pro und contra Verbrenner. Warum ist die E-Mobilität jetzt also nötig. Die Vor- und Nachteile gibt es ebenso, wie beim Verbrenner und unterm Strich ist es halt eine Frage des Blickwinkels.

Es gibt aber einen entscheidenden Faktor in diesem Spiel, der für die Elektrifizierung der Mobilität spricht: es kommt ein Wettbewerber.

Ein potenzieller „game changer“. Und das rüttelt die gesamte Branche auf. Als vor 13 Jahren der erste Tesla Roadster auf Basis des Lotus Elise für einen exorbitanten Preis auf den Markt kam, haben viele gelacht und einige milde gelächelt. Das gab es schon oft. Apple iMac, die 2,5″ Festplatte von Toshiba, Versand-Apotheken, Wikipedia, Video-Streaming, Airbnb, Paypal, Uber, 3D-Druck und Co. lassen grüssen.

Viele Weiterentwicklungen und Innovationen wären nicht zustande gekommen, wenn nicht irgendwann jemand um die Ecke gekommen wäre und die „Platzhirsche“ herausgefordert hätte. In viele Fällen haben übrigens die Herausforderer am Ende die Oberhand behalten. Das nur am Rande. Was ich damit sagen will? Die einhundert Jahre alte Automobil-Industrie braucht diese Impulse. Sie braucht diesen Wettbewerb. Sie braucht diese Erneuerung. Und die Elektro-Mobilität kommt da genau richtig. Sie ist ein Katalysator, ein Innovationsbeschleuniger, um die alteingesessenen, verkrusteten Hersteller von Verbrennern in die Zukunft zu katapultieren. Alle werden das nicht überleben. Das scheint klar. Frei nach Darwin: nicht die grössten oder mächtigsten werden überleben, sondern diejenigen, die sich am besten den Veränderungen anpassen können. Bei der E-Mobilität haben sich die Vorzeichen inzwischen geändert. Die vermeintlich „Großen“ werden von den „Neuen“ getrieben. Tesla jagt Daimler. Wer zuletzt lacht…

Die Elektromobilität wird (hoffentlich) nicht der Weisheit letzter Sch(l)uss sein, aber sie ist ein wichtiger Treiber für die Mobilität der Zukunft, weil sie bestehendes hinterfragt, zerstört und erneuert. Weil sie bestehende Denkmuster und Handlungen angreift und zur Erneuerung zwingt.

Ähnlich, wie die CD 1985. Heute kaum noch genutzt, war sie damals der Schritt in die digitale Musikwelt. zuvor hatten Grammofon und Plattenspieler 100 Jahre lang die Musik-Industrie fest im Griff (genau gesagt 98 Jahre). Nach der CD folgten innerhalb von nur etwas mehr als 20 Jahren MP3, Musik-Downloads und letztendlich Streamingdienste wie Amazon Music, Spotify und Co. Die Herrschaft der allmächtigen Schallplatten-Labels war gebrochen. „Disruption“ nennen wir das.

Betrachten wir die E-Mobility als die CD der Mobilität (Verbrenner wären demnach die Schallplatte…), dürfen wir gespannt sein, welche Konzepte sich in den nächsten 30 Jahren noch entwickeln. Heute kaufen wir kaum noch CDs oder Schallplatten, warum also morgen noch ein Auto (egal mit welchem Antrieb)? Der Samen ist gesät, die „Büchse“ ist geöffnet. Ab jetzt ist es nicht mehr aufzuhalten. Die Disruption ist in vollem Gange.

So nutzen unsere Kinder dereinst vielleicht Dienste wie „Amazon Drive“, „Netflix Mobility“, oder „Spotify Move“, um von A nach B zu kommen. Wer weiß? Eines aber scheint sicher: ein Auto wird sich kaum noch jemand kaufen…

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