Wollen wir tolerant sein? Natürlich wollen wir das! Wir wollen Vielfalt, Diversität und Inklusion. Ist doch logisch. Fröhlich hissen wir die Regenbogen-Flagge und schmeissen mit „Gender-Sternchen“ um uns. Wir nehmen alle und jede*n. Und zwar so wie er/sie/es ist. Egal ob „m, w, oder d“, egal welche Religion er hat, welche Partei er/sie/es wählt, oder welchem Geschlecht er/sie/es sich zuwendet. Egal ob groß, oder klein, egal, ob mit, oder ohne Behinderung, egal welche Hautfarbe, egal welche Sprache – alles egal.

Und damit uns auch allen klar, ist, dass uns alles egal sein muss, stellen wir Regeln für ihn/sie/es auf, die dafür sorgen, dass ihm/ihr auch tatsächlich alles gleich egal ist und nicht dem/der/das(?) einen, oder anderen etwas mehr, oder etwas weniger. Verstanden?

Allerdings: je genauer man hin schaut, desto schräger wird es. Wie kann man Vielfalt fordern und gleichzeitig alles regeln wollen?

Meanwhile in Germany – ein VW-Mitarbeiter klagt gegen Audi, weil er sich und seinen Mitarbeiter*innen die Gender-Regelungen der Ingolstädter nicht vorschreiben lassen möchte. Bei der Lufthansa will man auf die Begrüssung „Sehr geehrte Damen und Herren“ verzichten und bei der Bahn heißt es – geschlechterneutral – „Liebe Gäste“. Bei EDEKA gibt es jetzt „Student*innen Futter“. Begründet wird das alles damit, dass man Vielfalt fördern und niemanden diskriminieren wolle. Verständlich! Verständlich? Mich würde schon mal interessieren, wie viele Bahnkunden sich schon durch die Ansage „Damen und Herren“ diskriminiert gefühlt haben, im Vergleich zu den Kunden, die sich über Verspätungen und Zugausfälle beschweren. Und bei EDEKA sind die Kunden (und sicher auch die Kundinnen… und sicher auch alle anderen…) bestimmt jahrelang Sturm gelaufen, weil es das berühmte Futter nur für „Studenten“ gab und nicht auch für „Studentinnen“. Nur, insgesamt ist das „Problem“ damit ja gar nicht gelöst, denn es gibt keine neutrale Form für Student*innen in der deutschen Sprache. Also Futter für Studentinnen und Studenten und „diverse“? Nüsse und Rosinen „m/w/d“ vielleicht? Bahn und Lufthansa könnten ja immerhin mit „Sehr geehrtes Fahrgast“ aus der Nummer rauskommen. Für viele andere wird’s aber blöd.

Spass bei Seite. Geht es jetzt darum, dass wir in Wort und Schrift alle(s) und jede(n) gleichmachen? Oder geht es um Toleranz, Vielfalt und Respekt?

Und es geht noch weiter. Wieder VW: jetzt wird noch die Currywurst in der Betriebskantine abgeschafft. Das hat selbst Altkanzler Schröder hinterm Ofen vorgeholt. Da steht der Kantinen-Chef (oder muss man Personal-Restaurant sagen, um niemanden zu diskriminieren?) hinterm Tresen, schafft die Vielfalt (auf der Speisekarte) ab und muss zwangsläufig alle nicht Vegetarier*innen diskriminieren. Gel(i)ebte Vielfalt à la VW…

Wenn du in einer Stellenanzeige nicht „m/w/d“ hinter den Titel schreibst, musst du mit einer Klage wegen Diskriminierung rechnen, aber die Curry-Wurst wird ersatzlos gestrichen. Wir lassen behinderte Sportler nicht zu den olympischen Spielen zu, aber regen uns auf, wenn in der Zeitung, oder im Web „junge, dynamische Mitarbeiter“ gesucht werden. Am Rande: wie macht das die katholische Kirche eigentlich, wenn sie einen Pfarrer sucht? Darf der auch Moslem sein, oder eine Frau, oder „divers“? Ich denke nicht. Nur so. Mal, zum nachdenken.

So langsam dämmert’s, oder? Wir versuchen (oder tun wenigstens so) Vielfalt zu fördern in dem wir sie regulieren. In dem wir Regeln erschaffen. Ein Widerspruch in sich! Was bei uns abläuft, ist der Versuch alles und alle gleich zu machen. Das hat aber mit Gleichbehandlung nichts zu tun! Vielfalt lässt sich nicht regeln, oder verordnen, weil jede Regel, jede Verordnung und jedes Gesetz die Vielfalt einschränkt. Vielfalt entsteht ja gerade dort, wo es weniger Regeln gibt. Und Gleichmacherei hat nullkommanix mit Gleichbehandlung zu tun. Was wir brauchen ist Toleranz, nicht Uniformität. Nord-Korea lässt grüßen!

Als toleranter Mensch muss ich damit leben, wenn ein Unternehmen jetzt eben eine Frau sucht und keinen Mann. Kann ja Sinn machen. Und dann kann ich auch damit leben, dass ein am Unterschenkel amputierter Weitspringer bei Olympia den „nicht behinderten“ die Goldmedaille wegschnappt, weil er einfach weiter springt. Ich komme als Freund der Vielfalt durchaus klar damit, dass ein VW-Mitarbeiter (jetzt ist mal Schluss mit dem gendern…) lieber eine Currywurst mit Pommes isst, als ein veganes Schnitzel mit Bio-Salat.

Hört auf damit alles zu regeln! Hört auf damit alles und jeden „gleich“ machen zu wollen. Wir sind nicht alle gleich und das ist gut so. Wir müssen uns mit Toleranz und Respekt begegnen und uns gleich behandeln, aber bitte nicht alle und alles gleich machen!

Und wenn es am Ende so ist, wie bei unseren Freizeit-Kickern, dass jung und alt, schwarz und weiss, arm und reich, groß und klein, dick und dünn, Frau und Mann (und vielleicht auch „divers“) – whatever – gemeinsam auf dem Platz stehen und Kicken. Dann ist das gelebte Vielfalt. Und da interessiert es keinen, ob du nach (oder vor) dem Spiel ein Bier trinkst, oder in die Moschee gehst. Es juckt niemanden, wo du herkommst, wer oder was oder wie du bist. „Spiel doch mal den Ball du Arsch!“ versteht da jeder und jede und niemand hat ein Problem damit. Wenn AfD-Wähler und syrische Asylanten gemeinsam auf dem Platz stehen. Das ist Vielfalt. Das ist Toleranz! Dafür braucht es keine Regeln. Dafür braucht es nur Respekt.

Eure Regenbogenflaggen und -flagginnen, eure Gender-Sternchen und -Sternchinnen, euer „m/w/d“ und eure verbotene Curry-Wurst könnt ihr euch sonst wo hin stecken. Vielfalt und Toleranz kann man nicht regeln. Man kann sie nur (vor-)leben!

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