Wer bekommt sie nicht jeden Tag mit, die Diskussionen um immer neue oder geänderte Corona-Verordnungen, Warnstufen, Impf-Vorschriften, Impf-Vorgaben und Impf-Empfehlungen? Man braucht ja inzwischen schon ein Jura-Studium, um sich sicher zu sein, ob man für den Restaurant-Besuch mit Kindern und Eltern am Wochenende jetzt einen Test braucht, oder nicht. Das Gute ist allerdings, dass die Menschen an der Eingangstüre, die das alles überprüfen sollen, in der Regel auch kein Jura studiert haben und es deshalb nicht besser wissen. Der Zutritt zur Wirtschaft, oder zum Kino wird so zur Verhandlungs- oder Glückssache.

Erfahrungsberichte? Gerne!

Dem freundlichen Herrn an der Cinemax-Hotline musste ICH die Zutritts-Regelungen für das Kino in Freiburg erklären. ER hatte sie nämlich nicht verstanden. Auf der Cinemax-Homepage waren sie noch am Vorabend unseres Kino-Besuches falsch. Wie durch ein Wunder wurden sie am Vormittag des Folgetages angepasst und wir konnten alle ohne Test Spiderman anschauen.

Im Restaurant habe ich so lange mit der netten Dame am Eingang verhandelt, bis sie eingesehen hat, dass meine Kinder keinen tagesaktuelle Schnelltest benötigen, um ihr Schnitzel mit Pommes zu verdrücken und an anderer Stelle hat es wiederum überhaupt niemanden interessiert, ob einer von uns überhaupt geimpft ist.

Solche und ähnliche Situationen erlebe ich in den letzten Wochen häufig und kann es daher durchaus gut nachvollziehen, wenn nicht wenige da keine Lust mehr haben sich abends noch außer Haus mit Familie oder Freunden zu vergnügen. Die leeren Tische in den Lokalen und die vielen freien Sitze im Kino sind stumme Zeugen dieser Situation.

Was ist passiert? „Verkackt“ würden meine Kids sagen. Früher hat man gesagt „verschi#*en“, aber das „Sch…“-Wort benutzen wir ja heute nicht mehr. Die Kinder von heute sind ja sooo höflich…

Ja, unsere Politiker haben es tatsächlich verkackt. Mal wieder, bin ich versucht zu sagen. Seit Beginn dieser sogenannten Pandemie lassen sie nichts, aber auch wirklich nichts aus, was wie ein Fett-Napf aussieht. Konnte man bei der ersten Welle eventuell noch über die Planlosigkeit und das Chaos bei den Regelungen hinweg sehen, muss ich inzwischen schon fast schmunzeln, wenn neue Regelungen veröffentlicht werden. Teilweise scheint es so, als würden diejenigen, die die Verordnungen schreiben, selbst nicht mehr wissen, was sie eigentlich tun. Letztes Beispiel ist die FFP2-Maskenpflicht, die in der Überschrift der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg noch eine Pflicht ist, dann im Text der Regelung aber zu einem „soll“ wird, was hinterher einige Politiker so interpretieren, dass aus dem „soll“ bestimmt bald ein „muss“ wird und wiederum andere der Meinung sind, dass im strengeren juristischen Sinne ein „soll“ eben ein „muss“, also quasi eine Pflicht bedeuten würde. Alles klar.

Aber damit nicht genug. Anstatt mit transparenten Fakten die Wirksamkeit von Impfungen, Zweitimpfungen, Booster-Impfungen, Genesungen, Kreuz-Impfungen für jede und jeden nachvollziehbar zu machen, lässt man den Gerüchten den Vortritt und kommuniziert bestenfalls über unverständliche oder seitenlange Studien und Berichte, die kaum jemand liest und noch weniger verstehen. Anstatt also die Menschen von Impfungen zu überzeugen, oder ihnen wenigstens plausibel zu machen, was sie sich da genau antun, werden immer neue „Regelungen“, die im Normalfall nichts anderes sind, als Verbote, rausgeschossen, um Ungeimpften, oder unzureichend Geimpften das Leben zur Qual zu machen und sie damit quasi zu einer Impfung zu zwingen – ganz ohne offizielle Impfpflicht. Schick, oder? Ausgangssperre für Ungeimpfte zwischen 21 und 5 Uhr. Was soll dieser Blödsinn? Reine Schikane. Und dann gehen die Ungeimpften nicht zum Impfen, sondern auf die Straße. Gut gemacht, Politik!

Das zeigt einmal mehr die zweifelhafte Gesinnung heutiger Staatsverdreher – sorry Staatsvertreter. Sie scheinen der Meinung zu sein, dass Kommunikation eine Einbahnstraße ist, die sie schlicht „Verordnung“ nennen. So funktioniert es aber nicht. Druck erzeugt Gegendruck. Und der wird auf diese Art und Weise größer und nicht geringer. Die Meinung der Wähler ist bestenfalls, und auch da nur vordergründig, von Interesse, wenn es auf die Wahlen zugeht. Ein schönes Beispiel dafür haben unsere Ex-Kultusministerin Eisenmann und unser Ober-Landespapa Kretschmann vor der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg abgeliefert. Frau Eisenmann versuchte mit ihrer „Online-Tour“ bei Facebook dein Eindruck zu erwecken, sie würde sich tatsächlich dafür interessieren, was ihre potenziellen Wähler denken. Dass die sich nicht ganz so leicht für dumm verkaufen lassen, hat sie dann bei der Wahl eindrücklich zu spüren bekommen und ist seither untergetaucht. Und unser Landespapa hat nach der Wahl seinen Facebook-Account zuerst komplett eingestellt, um ihn danach wieder mit deaktivierter Kommentarfunktion einzuschalten. Den Sinn und Zweck sozialer Medien hat er offensichtlich nicht verstanden. Die Message ist aber klar. Ich sage euch, wo es lang geht. Eure Meinung interessiert mich dazu nicht. Diese Arroganz, die wir in den letzten zwei Jahren an vielen Punkten so oft gespürt haben – der eine mal mehr, der andere mal weniger – durch die seitens der Regierenden manchmal mehr und oft auch weniger sinnvolle Regelungen auf die Bevölkerung gekippt wurden, wird immer unerträglicher. War die Lobby groß genug, wie beispielsweise bei den Gastronomen, dann wurden Regelungen auch gerne mal wenige Stunden nach ihrer Veröffentlichung angepasst. Ich erinnere an das Chaos der Einführung von 2G+ für Restaurants. Wer keine Lobby hat, wie Kultur-Schaffende, oder Schüler, der ist dann halt gearscht und muss alles fressen, was ihm die Politik vor die Füße wirft. So läuft das.

Corona wäre eine vielleicht einmalige Gelegenheit für die Politik gewesen in intensive und echte Kommunikation mit der Bevölkerung zu kommen. Damit hätte man die vielbeschworene Solidarität erreicht, die uns aktuell abgeht und dazu führt, dass Deutschland eine der geringsten Impfquoten in Europa hat und oft bessere Lösungen gefunden, als der Käse, der teilweise in den Verordnungen stand und steht. Stattdessen hat man, getrieben durch Machtgeilheit und Besserwisserei, einmal mehr den Graben zwischen Regierung und Bevölkerung vergrößert. Zu Beginn der Pandemie konnte man das alles noch damit erklären, dass schnelles Handel notwendig ist. Inzwischen, nach zwei Jahren, zieht das aber nicht mehr. Zeit war genug. Die Lernkurve scheint jedoch extrem flach.

Verkackt eben!

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