Nach „Digital or Dead“ nun also „Collaborate or Collapse“? Die Unternehmenswelt ist im Umbruch! Am Beispiel der viel bemühten Digitalisierung, oder digitalen Transformation, möchte ich in diesem Artikel darstellen, warum Kooperationen für Unternehmen in Zukunft unumgänglich werden.

Was hat nun Digitalisierung aber mit Collaboration – oder auf gut Deutsch „Zusammenarbeit“, also Kooperation – zu tun? Ganz einfach: Digitalisierung ohne Kooperation wird nicht funktionieren! Unsere ganze Zukunft wird ohne Kooperation nicht funktionieren. So wie das Internet nur durch „digitale Kooperation“, also den offenen Austausch von Informationen und Infrastrukturen funktioniert, wird sich künftig auch die globalisierte Wirtschaft massgeblich durch Vernetzung von Unternehmen, also Kooperationen, weiterentwickeln. Die Zeiten, in denen es sich Unternehmen leisten konnten ihre Strukturen und Mitarbeiter gemütlich und von langer Hand geplant ganz intern und im Geheimen auf neue Herausforderungen auszurichten, sind vorbei. Grundsätzlich – oder eher theoretisch – sind die meisten Firmen natürlich in der Lage, Herausforderungen wie die digitale Transformation intrinsisch, also alleine, zu meistern. Allerdings gibt es hier, wie auch bei vielen anderen Herausforderungen, mehrere begrenzenden Faktoren, die es sinnvoll – wahrscheinlich sogar unumgänglich – erscheinen lassen, dies nicht zu tun, ja es nicht einmal zu versuchen.

>>> Fachkräftemangel, Geschwindigkeit, Finanzierbarkeit. <<<

Der Aufwand, die entsprechenden Fachkräfte für neue und komplexe Themen wie die Digitalisierung zu finden und zu rekrutieren, wird an sich schon so manches Unternehmen an die Grenzen seiner Möglichkeiten bringen. Erstens benötigt man die erforderliche Kapazität im Personalbereich, zweitens muss man entsprechende Gehälter bezahlen, diese Menschen irgendwo hinsetzen und sie mit einer brauchbaren Infrastruktur arbeitsfähig machen. Und drittens wird es für den Einen oder Anderen nicht einfach werden, überhaupt entsprechende Anforderungsprofile zu beschreiben, was die neuen Mitarbeiter/innen denn können sollen oder müssen, wenn man schon selber nicht wirklich einen „Plan“ hat, wo die Reise denn hingehen soll.

Damit aber nicht genug. Die Geschwindigkeit mit der bspw. die Digitalisierung voranschreitet, stellt ein nicht minder großes Problem dar, als der Fachkräftemangel. Hatte man in der Vergangenheit noch immer genügend Zeit, die benötigten Kompetenzen und gegebenenfalls die damit zusammenhängende Tiefe der Wertschöpfung im eigenen Umfeld aufzubauen, ist das heute nicht mehr so. Und das hängt nicht nur mit der Geschwindigkeit an sich zusammen, sondern auch mit der Tatsache, dass es heutzutage vielleicht schlicht ein anderer macht, wenn man es selbst nicht schnell genug hin bekommt. Gerade im digitalen Umfeld sprießen die Start-Ups aus dem Boden, wie die Pilze im Wald. Banken und Versicherungen können inzwischen auch ein Lied davon singen. UBER greift Taxi-Unternehmen an, Air-BnB und Home To Go lassen Reisebüros und Hotels alt aussehen, Thermondo mischt die Heizungsbranche auf. Selbst Handwerksbetriebe sind also nicht mehr sicher…

Und ‚last but not least‘ kommt noch ein ganz unangenehmes Thema: Geld. Zukunfts-Kompetenzen, wie z.B. bei der Digitalisierung müssen nicht nur teuer mit entsprechend kompetentem Personal „erkauft“ werden. Das Ganze soll auch noch möglichst schnell von statten gehen. Dazu kommt die entsprechende Infrastruktur und die muss nicht nur aufgebaut, sondern auch betrieben, supportet und weiterentwickelt werden. Gewaltiges finanzielles Frontloading innerhalb kurzer Zeit also, und nicht unerhebliche laufende Kosten, sind die oft weit unterschätzen Folgen. Gepaart mit unsicheren Geschäftsmodellen und zunächst geringem Return, kann das ein Unternehmen ganz schnell in einen Liquiditätsengpass, oder an den Rande des Ruins bringen!

Die Zahl der Unternehmen, die sich das leisten können, oder sollten – speziell im Mittelstand – dürfte überschaubar sein. Auch wenn viele es dennoch mutig versuchen: die bekannten Muster und Wege werden nicht zum Ziel führen. Die Bemühungen müssen dann am Ende unter Umständen abgebrochen werden und haben jede Menge (Lehr-)Geld gekostet. Und dann kommt womöglich ein Start-Up um die Ecke und macht es einfach…

>>> Aber was ist die Alternative? Collaboration – Zusammenarbeit! <<<

Zusammenarbeit, oder Kooperation: das unbekannte Wesen in der deutschen Industrie! Was im Bereich der Innovation bereits seit über einem Jahrzehnt gepredigt wird – Open Innovation – kommt jetzt langsam auch in anderen Kompetenzbereichen der Unternehmen an. Wie bereits beschrieben sind die zukünftigen Herausforderungen bei Themen wie der Digitalisierung in ihrer Geschwindigkeit und Komplexität, der Finanzierbarkeit und den weiteren im Zusammenhang damit stehenden, vielfältigen Herausforderungen, nicht alleine und aus der eigenen Substanz sinnvoll und nachhaltig zu meistern. Kooperation wird damit unumgänglich!

Ein Paradigmenwechsel. Während die deutschen Unternehmen in den letzten Jahrzehnten am liebsten „ihr eigenes Ding“ gemacht und überwiegend von Abschottung und Eigenbrötlerei gelebt haben – und zwar gut (Patente und proprietäre Systeme lassen grüssen) – ist nun plötzlich Offenheit, Austausch und Miteinander gefragt. Plötzlich macht Daimler mit BMW und Fiat geht mit Google ins Bett. Ford bandelt mit VW an. Honda mit GM. Was über Jahrzehnte als nicht salonfähig galt und bestenfalls möglichst geheim gemacht wurde ist auf einmal „hipp“ und wird medienwirksam an die große Glocke gehängt.

>>> Kooperations-Wille, -Fähigkeit, -Strategie <<<

Auch hier gilt allerdings die alte Regel für Veränderungen: Erkenntnis ist der erste Schritt – aber eben nur der erste! Viele weitere müssen folgen. Und diese Schritte sind deutlich schwieriger, als zu der erwähnten Erkenntnis zu gelangen, dass es ohne Kooperationen künftig nicht mehr gehen wird.

Die jahrzehntelangen Alleingänge der Unternehmen rächen sich nun. Die Haltung, alles alleine zu machen und alleine besser zu können, die ewige Geheimniskrämerei, hat sich in den Strukturen der Firmen und den Köpfen der Führungskräfte und Mitarbeiter so sehr verfestigt, dass es hier eines handfesten Kulturwandels bedarf, um den eigenen Laden überhaupt nur ansatzweise kooperationsfähig zu machen.

In den letzte Tagen habe ich mit großem Interesse die zukünftig geplante Zusammenarbeit zwischen Daimler und BMW verfolgt. Mit viel Tamtam wurde diese Kooperation medienwirksam durch die Presse gepeitscht. Die Chefetagen beider Unternehmen haben also die Zeichen der Zeit erkannt. Vermutlich schon vor langem. Immerhin. Aber solche Prozesse reifen nicht von heute auf morgen. Unternehmen, Strukturen, Menschen, Mind-Sets ändern sich, wenn überhaupt, nicht von heute auf morgen. Und schon gar nicht von alleine! Diese beiden Unternehmen auf Gebieten, wie z.B. autonomes Fahren, zusammenzubringen und nicht nur zusammenzubringen, sondern auch dazu zu bringen, dass etwas für beide Seiten zählbares entsteht, wird ein extremer Kraftakt werden. Scheitern nicht ausgeschlossen!

Jeder Unternehmer, jedes Management, muss sich daher nicht nur die Frage stellen, ob es Kooperationen in Zukunft (vermehrt) benötigt. Und wenn ja, in welchen Bereichen und mit wem. Es wird also eine entsprechende Kooperationsstrategie benötigt, aus welcher abgeleitet werden kann, welche Beziehungen mit anderen Unternehmen gewünscht bzw. sinnvoll sind. Die Beantwortung der Frage nach den eigenen Kernkompetenzen und den künftig benötigten Fähigkeiten im Umfeld von Markt und Unternehmen spielt hierbei eine zentrale Rolle. Und dennoch will das Core KnowHow – die Kernkompetenz – weiterhin gut geschützt sein. Ein gewisses Dilemma. Immerhin – siehe Daimler und BMW – redet man Ende des Tages eventuell auch über Kooperationen mit Wettbewerbern. Und das sollte doch wenigstens gut überlegt sein!

Es muss darüber hinaus geklärt werden, wie das Unternehmen überhaupt die Kooperationsfähigkeit erlangt, die notwendig ist, um überhaupt in solchen Konstrukten erfolgreich sein zu können. Ein entsprechend offenes Mind-Set der Mitarbeiter wird nur entstehen, wenn dies durch die Führung aktiv eingefordert und gefördert wird. Permanentes Mißtrauen und überzogenes Sicherheitsdenken sind tödlich für fruchtbare Kooperationen. Vertrauen und Offenheit sind der ideale Nährboden für eine erfolgreiche und nachhaltige „Ehe“. Gerade da haben Start-Ups oft einen großen Vorteil. Wer nichts, oder nur wenig zu verlieren hat, hat auch keinen Grund ein großes Geheimnis daraus zu machen.

Kooperation ist also genau genommen nicht nur eine reine „Win-Win Situation“. Jeder der Beteiligten muss auch etwas abgeben. Wissen, Erfahrung, Kompetenz, Geld… Wer hier über seinen Schatten springen kann und nicht ständig in einer Welt lebt, dass ihn der Kooperationspartner bei der erstbesten Gelegenheit über den Tisch ziehen will, hat bereits eine ganz wichtige Voraussetzung geschaffen: Vertrauen!

Gute Kooperationen benötigen also drei Dinge:
1. Die Erkenntnis, dass an Kooperationen – speziell im Kontext der Digitalisierung – kein Weg vorbei führt.
2. Den kulturellen Wandel: von der „Insel“ hin zu Offenheit des Unternehmens und der Menschen – gegebenenfalls auch gegenüber dem Wettbewerber – aktiv eingefordert vom Management und der Führung.
3. Eine sauber abgestimmte Kooperationsstrategie, aus der sich ableiten lässt, mit wem kooperiert werden soll und zu welchem Zweck.

Und wie kommt man zu einer Kooperationsstrategie? Das erfahrt ihr in einem meiner nächsten Artikel 🙂 Bis bald!

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