Mal ehrlich: mir ist es auch lieber, wenn alle meiner Meinung sind! Aber bringt uns das weiter? Bringt es uns weiter, wenn alle alles gleich tun? Wenn wir alle gleich aussehen und die gleichen Verhaltensmuster an den Tag legen?

Wann wart ihr zum letzten Mal in einer Bank? OK, ich weiss. Das macht man heutzutage nicht mehr so oft. Dennoch: Bankangestellte erleiden in der Regel das selbe Schicksal, wie Unternehmensberater. System-Konformität ist oberstes Gebot! „Corporate Identity“ nennt man das auf Neudeutsch (die Profis sagen „CI“ – sie:ei). Klamotten, Frisur und Rasur müssen zum System passen. Ebenso wie das eingefrorene Grinsen im Gesicht. Ich will mich hier nicht bei einzelnen Berufsständen unbeliebt machen. Das hat sicher alles seine guten Gründe, die sich mir lediglich nicht erschließen. Aber mal konkret vom Kunden her gedacht: was bringt es mir, wenn alle Bänker oder Berater gleich aussehen und gleich grinsen? Die Zinsen werden dadurch nicht niedriger, die Beratungsqualität nicht höher.

Warum also wird in so vielen Unternehmen so viel Wert darauf gelegt, dass wir uns „systemkonform“ verhalten? Ist es tatsächlich „Corporate Identity“, wenn wir alle mit dunkelblauem Anzug, weißem Hemd und schwarzer Krawatte herumlaufen und vor uns hin grinsen? Oder steckt da nicht doch mehr dahinter? Auf der einen Seite wissen wir, dass jeder Kunde individuell ist und im Idealfall auch ganz individuell bedient werden soll. Auf der anderen Seite legen wir Wert auf die „Uniformisierung“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und nicht nur bei der Kleidung, auch bei deren Verhalten. Wie können immer gleiche Mitarbeiter total individualisierte Kunden zielgenau ansprechen? Offensichtlich ein Widerspruch!

Und sollte nicht im Vordergrund stehen, dass wir die richtigen Ergebnisse liefern? Ob wir unseren Job gut machen und Wertschöpfung generieren, anstatt so auszusehen und uns so zu verhalten, wie es das „System“ gerne hätte? Nur damit es bequem ist für alle?

Schön wär’s! Die Erfahrung belegt etwas anderes. Nur wer die „Regeln“ kennt und sich daran hält, ist mit dabei. Es fasziniert mich immer wieder, wie viele Unternehmen es bis heute gibt, in denen „gut Aussehen“ und mit dem Strom schwimmen noch immer deutlich karrierefördernder ist, als gute Ergebnisse zu liefern. Als „Loyalität“ wird das auch gerne mal bezeichnet. Dabei weiss doch jeder, dass man niemanden überholen kann, wenn man nichts anderes tut, als in seine Fußstapfen zu treten!

Natürlich ist „Gleichmacherei“ wichtig. Sie birgt erhebliche Effizienz-Potenziale, trägt damit maßgeblich zur Verbesserung der Rendite eines Unternehmens bei und ist bis zu einem gewissen Grad auch identitätsstiftend und damit förderlich für den vielbeschworenen Team-Spirit. Allerdings müssen die richtigen, die wichtigen – also sinnvollen – Dinge vereinheitlicht werden. Und das sind kaum die Kleidung, oder der Gesichtsausdruck, sondern vielmehr Prozesse, Tools, Strategien und Ziele. Aber das ist ja komplex. Also lassen wir es doch lieber beim Sakko und der Visitenkarte…

Wesentlich wichtiger als sinnloses oder sinnvolles Gleichmachen ist aber die Diversität, die Vielfalt. Denn sie ist die Mutter der Innovation und Kreativität und damit des nachhaltigen Unternehmenserfolges!

Die Erde wäre nicht der Planet, der sie ist, wären alle Lebewesen gleich, wären alle Pflanzen identisch!

Manfred Mitreiter

Kurzfristige Rendite-Verbesserungen nutzen also wenig, wenn einem auf lange Sicht die Luft ausgeht, weil die Ideen und Innovationen fehlen. Vielfalt hilft also und ist nachhaltig. Und Diversität ist eben mehr, als nur das (m/w/d) in der Stellenanzeige. Diversität ist eine Haltung. Eine Haltung die bewusst die Vielfalt der Menschen, ihrer Persönlichkeiten, Meinungen, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen akzeptiert und fördert, wenn nicht sogar fordert.

Versucht es einfach mal, die Vielfalt faszinierend und inspirierend zu finden und nicht störend und anstrengend. Akzeptiert es, und – je nachdem, wie mutig ihr seid – fördert und fordert es. Und dann schaut mal, was passiert. Ihr werdet überrascht sein!

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