Tja, was soll ich sagen – beziehungsweise schreiben – kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg. BMW hat den X3 xDrive 25d schon nach ungefähr einem Jahr wieder aus dem Programm genommen. Warum? Darüber wird spekuliert. Mehr aber auch nicht…

Ich werde euch dennoch mit einem Review zum X3 xDrive 25d belästigen. Aus verschiedenen Gründen. Der erste ist, dass ich seit Anfang Mai selbst einen fahre. Der zweite ist, diese unsägliche Debatte über „SUV“, bzw. über die bösen Mütter, die ihre faulen Kinder damit zur Schule fahren. Oder noch besser: zum „Friday For Future“ – spannend oder?

Warum habe ich mich für einen X3 entschieden? Und das in einer Zeit, in der SUV-Fahrer eher den Ruf der umweltzerstörenden Kinderüberfahrer „geniessen“. Nun: ich fahre einen Dienstwagen und BMW hat den Leasingfaktor für den X3 derart attraktiv gestaltet, dass selbst ein 2er – rein finanziell betrachtet – schlechter weg kommt. Mercedes verkauft im GLC veraltete Technik und der Q5 gefällt mir nicht. Ein Tiguan von VW wäre noch eine Möglichkeit gewesen. Aber wer will schon einen Diesel mit eingebautem Abgas-Skandal? Ford oder Opel? Ganz ehrlich: wer mal in einem BMW gefahren ist, hat da seine Fragezeichen. Nicht nur bei der Qualität und Material-Anmutung, sondern auch – und vor allem – bei der „Usability“! Vor allem aber habe ich mich aus Platzgründen für ein sogenanntes Sports-Utility-Vehicle, kurz „SUV“, entschieden. Wer regelmäßig als Kindertaxi unterwegs ist (nein, ich fahre meine Kids nicht zur Schule) und auch mal in den Urlaub fahren will kommt mit einem Golf nicht weit.

Ich möchte hier allerdings keine philosophischen Diskussionen aufwerfen, was die Auswahl der Fahrzeugmarke anbelangt, sondern ein möglichst realistisches Review des genannten Fahrzeugs abliefern, mit dem ich in den letzten 6 Wochen gut 5.000 km abgespult habe. Kurz- (Arbeitsweg, einfach ca. 17 km), Mittel- (Karlsruhe, Stuttgart, Zürich) und Langstrecke (Südfrankreich, ca. 770 km ein Weg).

Insgesamt ist der X3 schon ein sehr gutes Auto. Kann man bei dem Preis auch erwarten. Mit etwas Sonder-Ausstattung kommt man beim X3 schnell in Richtung 70.000 Euro! Ein Schnäppchen sieht anders aus. Dafür bietet er dann aber auch viel Platz, sehr guten Komfort und animiert zum entspannten und damit defensiven und sparsamen Fahren. Der X3 basiert auf der Plattform des 5er BMW. Das spürt man nicht nur beim Preis, sondern eben auch beim Fahren und Sitzen, sowie der Bedienung. Zu meinem vorherigen 220d xDrive GranTourer ist da ein Unterschied von mehr als einer Klasse.

Beim Verbrauch sind sich der 220d und der X3 dann wieder sehr ähnlich. Der Durchschnittsverbrauch liegt derzeit bei 6,9 l/100km, was ich für ein Fahrzeug mit einem Gewicht von ca. 1,9 t und einer Leistung von über 230 PS beachtlich finde. Auf längeren Strecken und mit „defensivem Fuss“ auf dem Gaspedal kommt man durchaus auch mal unter 6 Liter. Auf einer Fahrt nach Donaueschingen und zurück lag der Durchschnittsverbrauch bei mir bei ca. 5,7 Liter auf 100 km. Der 220d xDrive war da nicht sparsamer, trotz deutlich weniger Leistung und geringerem Gewicht.

Was mich natürlich besonders interessiert ist das Thema „Technik“. Den Automobilherstellern fällt ja immer wieder etwas Neues ein, mit denen sie die Kunden in die Aufpreis-Falle locken! So sind im X3 inzwischen sechs (!) Kameras verbaut. Zwei für die Verkehrszeichen-Erkennung, eine nach vorne, jeweils eine in jedem Aussenspiegel und eine im Heck. Damit schafft es BMW nun eine virtuelle Draufsicht auf das Fahrzeug zu generieren, was insbesondere beim Einparken sehr hilfreich sein kann. Der „Schlüssel“ mutiert langsam zum Smartphone und besteht aus einem Touch-Display, mit dem man auch einige Funktionen ausführen kann. Der Sinn des Ganzen hat sich mir allerdings noch nicht erschlossen, da das selbe – und noch wesentlich mehr – ja auch über die entsprechende App funktioniert.

Überhaupt hat man inzwischen unheimlich viele verschiedene Optionen, um identische Dinge zu tun. Entweder über das iDrive-System, die Sprachsteuerung, Gestensteuerung (wer’s hat…), Schlüssel, oder Smartphone bzw. Laptop. Wo soll das noch hinführen? Mir persönlich ist das iDrive im Auto immer noch am liebsten. Und ausserhalb des Fahrzeugs verwende ich die BMW-App. Dazu muss man allerdings das Häkchen bei „Connected Drive“ in der Aufpreisliste setzen.

Die App bietet wirklich viele sinnvolle Funktionen. So lässt sich bspw. das Fahrzeug orten, oder man kann die Hupe aktivieren. Sehr hilfreich im Parkhaus 🙂 Ausserdem kann man mal schnell nachschauen, ob der BMW abgeschlossen ist. Und wenn nicht, lässt sich das über die App problemlos nachholen. Auch aufschliessen geht übrigens, oder die Standlüftung/-heizung aktivieren. Was ich häufig nutze ist der integrierte Routenplaner, von dem aus man dann die Route direkt an sein Navi schicken kann. Ich weiss: mit Google-Maps geht das auch. Übrigens auch mit dem Concierge-Service von BMW. Einfach anrufen, das Ziel durchgeben und der freundliche BMW-Mitarbeiter speichert die Route direkt im Navi des X3 – coole Sache, auch wenn es nicht digital ist! Natürlich kann der Concierge noch mehr, z.B. die nächste Apotheke finden, oder ein Hotel-Zimmer buchen. Oder einfach nur quatschen…

Apple Car-Play hat mich bisher nicht überzeugt. Der Mehrwert ist überschaubar. Eigentlich bietet es keine Funktionen an, die nicht eh schon im BMW vorhanden sind, kostet aber auch wieder extra. Das macht aus meiner Sicht keinen Sinn und ich verwende es so gut wie nie. Gut, wer Wert darauf legt, dass er jede WhatsApp gleich aufs Display im Auto bekommt, braucht das vielleicht – ich nicht.

Inzwischen gibt es fast ebensoviele Integrationen, wie Bedienmöglichkeiten. Apple Car-Play, die BMW App, Amazon Echo, Google Assistant, Magenta SmartHome oder SmartThings. IFTTT ging anscheinend auch mal. Inzwischen schweigt der BMW-Support zu dem Thema aber. Ich warte seit Anfang Mai auf eine Antwort hierzu… Ob das alles Sinn macht? Eher wenig bis gar nicht. Sicher gibt es den einen oder anderen coolen Use-Case, den man damit abdecken kann. Aber insgesamt sind wir hier doch eher dabei Probleme zu lösen, die wir nie hatten.

Was mir gefällt ist die gute Rundumsicht, dank sechs Kameras und die voll digitalen Armaturen, die sich je nach gewählter Einstellung verändern und bei Bedarf bspw. auch Navigations-Funktionen einblenden. Das macht wirklich Sinn beim Autofahren. Und darum geht es ja schlussendlich. Sehr praktisch sind übrigens auch die (natürlich ebenfalls aufpreispflichtigen) adaptiven Scheinwerfer. Aufblenden, abblenden – alles automatisch, adaptiv eben. Auf den Spurhalte-Assistenten könnte ich persönlich verzichten. Das leichte Vibrieren am Lenkrad ist aber auch nicht nervig.

Apropos Einstellungen: der sogenannte „Fahrerlebnisschalter“ bietet bei BMW die Möglichkeit zwischen Comfort (Standard), Eco Pro und Sport zu wechseln. Besonders interessant finde ich den Eco Pro Modus, weil er das „Segeln“ ermöglicht, also den Motor vom Antriebsstrang entkoppelt und das Fahrzeug damit ohne das Schleppmoment des Diesels über die Strasse rollen kann. Damit kann man richtig Sprit sparen. BMW hat in diesem Modus sogar etwas „Gamification“ eingebaut und man bekommt mit der Zeit richtig Spass daran, möglichst viele Kilometer herauszufahren, bzw. möglichst sparsam unterwegs zu sein 🙂 Die Sport-Einstellung bringt eine etwas zügigere Gas-Annahme und eine etwas härtere Lenkung (härter, nicht direkter). Aber ein X3 wird halt nie richtig sportlich, egal welchen Schalter man drückt. Mit dem verstellbaren Fahrwerk, welches ich im 220d hatte, wird der Effekt auf „Sport“ übrigens deutlich spürbarer und sinnvoller. Aber wie gesagt: ein X3 ist halt einfach kein Sportwagen. Deswegen habe ich auf diese Option dann auch gleich verzichtet.

Zum Thema „Sport“: die Gedenksekunde bei den Turbo-Dieseln, insbesondere denen mit Wandler-Automatik, ist manchmal schon nervig. Das läuft immer gleich ab. Du stehst an der Kreuzung. Gaspedal durchdrücken. Nichts passiert. Irgendwann nimmt der Motor mal Drehzahl an. Aber es passiert immer noch nichts. Und plötzlich treten dir 500 Nm ins Genick. Nicht schön. Leider ist auch BMW dem Downsizing-Trend gefolgt, der nun mal dazu führt, das Motoren mit geringem Hubraum (in diesem Fall zwei Liter) mittels Aufladung auf brauchbare Leistungen und Drehmomente „gepimpt“ werden. Was das bringen soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Ich bin überzeugt davon, dass ein Dreiliter Sechszylinder mit der selben Leistung nicht mehr Sprit verbraucht. Der einzige der hierbei spart ist der Hersteller. Ein Vierzylinder ist halt billiger als ein Sechser. Der Vierzylinder bringt nur eben im Bereich niedriger Drehzahlen keine Leistung bzw. kein Drehmoment. Und der Turbo hilft da auch nicht mehr, weil der erst mal Drehzahl braucht. Selbst VTG oder Register-Aufladung kommen irgendwann an ihre Grenzen. Das „Turbo-Loch“ ist dann einfach nicht mehr wegzubekommen. Bleibt zu hoffen, dass bald die elektrischen Lader kommen. Die sind dann nicht mehr abhängig von der Motordrehzahl und sorgen eventuell für ein etwas harmonischeres Anfahrverhalten. Oder wir bauen wieder Reihen-Sechszylinder ein. Was Besseres gibt es eh kaum – ausser einen Boxer 🙂

Den Aspekt der Mütter, die ihre Kinder mit dem umweltschädlichen SUV zur Schule fahren, habe ich bisher elegant ausgespart. Kommt aber noch! Wie bereits beschrieben, ist dieses Fahrzeug mit unter 7 l Diesel-Kraftstoff pro 100km problemlos zu bewegen und liegt damit in einem Bereich, in dem sich auch viele andere Kraftfahrzeuge bewegen, die keine SUV sind. Der bei Familien sehr beliebte VW-Bus, also der T4, T5 oder T6 bringen übrigens deutlich über 2 Tonnen auf die Waage und liegen im Verbrauch bei 8,5 bis 10 Liter pro 100 km. Dennoch regt sich niemand über diese fahrenden Wandschränke auf. Und auch mit einem VW Touran oder Passat Diesel ist man immer noch locker mit um die 6-7 Liter unterwegs, je nach Fahrweise.

Also, liebe SUV-„Hater“: ein solches Fahrzeug ist eben nicht nur was für Förster, Jäger und Bauunternehmer, sondern auch für Menschen, die Platz brauchen und gerne komfortabel reisen. Und die Mama, die ihre Kids mit dem SUV zur Schule bringt (weil der Bus mal wieder nicht gekommen ist…) schadet der Umwelt nicht mehr, als die Mutter oder der Vater mit dem T5, Passat, Touran, A6, Opel Insignia, Ford Mondeo…

Mein nächster wird trotzdem ein Plug-In Hybrid 😉

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.