Im Zeitalter von Energiewende und Fridays 4 Future kommen selbst Typen aus der Baby-Boomer Generation wie ich einer bin mal auf die Idee, was für die Umwelt zu tun. Ok, das beschäftigt mich schon länger. Aber bisher immer nur im kleinen Stil. Meine Beleuchtung rund ums Haus besteht bereits seit mehreren Jahren aus Solar-Leuchten mit Bewegungsmeldern. Da braucht man kein Kabel und keinen Schalter und es funktioniert bisher einwandfrei. Auch einer unserer Rollläden wird seit vielen Jahren mit Energie aus der Sonne betrieben. Zwei kleine Solarpanels, ein Akku und ein Elektromotor mit Fernbedienung reichen aus. Keine Kabel verlegen. Keine Löcher bohren. Kein Strom aus der Steckdose. Einfach! Schön!

Solarleuchte mit Bewegungsmelder.

Aber irgendwann war es mir dann doch zu wenig. Andererseits möchte ich momentan auch keine 20.000 Euro für eine PV-Anlage auf dem Hausdach ausgeben. Kommt vielleicht noch. Aber derzeit gibt es halt andere Prioritäten. Etwas dazwischen muss also her. Zwischen der 15 Euro Solar-Leuchte von Pearl und der Dach-Photovoltaik für > 20 k€. Also hab ich mich auf die Suche gemacht und bin fündig geworden: Mini PV-Module, auch Balkon-Kraftwerke oder Guerilla-Anlagen genannt. Sie bestehen in der Regel aus ein bis zwei PV-Modulen und einem Wechselrichter und speissen über einen Stecker ihren Strom direkt ins hauseigene Stromnetz ein.

Bis zu einer Leistung von 600 Watt sind solche Anlagen inzwischen zulässig und können selbst beim Energieversorger angemeldet werden. Die Details, wie hier genau vorgegangen werden muss, bzw. was beachtet werden muss, erfragt ihr bitte direkt bei eurem zuständigen Netzbetreiber. Das ist nämlich nicht überall gleich, soweit ich weiss. In meinem Fall ist das ED Netze in Rheinfelden, die meine Anfrage auch prompt beantwortet haben. Wie immer in Deutschland gibt es auch hierfür inzwischen verschiedene Normen, die regeln wer, was und wie angeschlossen werden darf. Vom Modul über den Wechselrichter bis zur Steckverbindung. Die Energieversorger versuchen hier die Hürden anscheinend nach wie vor möglichst hoch zu halten, was ich einerseits verstehen kann, andererseits das Ganze aber halt auch behindert.

Ein Beispiel dafür, wie man so ein Thema mal wieder gänzlich überregulieren kann ist die DIN VDE V 0100-551-1. Auf diese Norm wird immer wieder verwiesen und ich habe mal recherchiert und herausgefunden, dass sie unter anderem die Berechnungsgrundlage darstellen soll, für den Strom, der eingespeisst werden kann/darf. Interessant, dachte ich mir. Das ist ja nicht unwichtig. Elektrische Leitungen haben ja auch so ihre Grenzen bezüglich der Strombelastung und wenn man da quasi von aussen zusätzlichen Strom einbringt, kann einem ganz schnell die Leitung bzw. die ganze Hütte abbrennen! ED Netze beschreibt dies mit den Worten „…Steckdosen-PV-Anlagen bieten in dieser Hinsicht ein großes Sicherheitsrisiko für Sie…“. Also hab ich mir die Norm bestellt, für gut 20 Euro. Hürde Nummer 1. Schaut man sich dann die Norm an, kommt die große Ernüchterung. Jeder, der auch nur einen einigermaßen technischen Hintergrund und etwas gesunden Menschenverstand besitzt, wäre auch so auf das gekommen, was da auf nicht einmal einer Seite beschrieben wird. Nämlich die Tatsache, dass durch den Strom der PV-Anlage eine zusätzliche Belastung für die bestehende Leitung generiert wird, die beachtet werden muss. Mehr dazu weiter unten. Und wer es genauer wissen will, welche Anforderungen und Bedingungen noch existieren, für den Betrieb einer solchen „Anlage“, findet hier eine gute Übersicht dazu.

Die zweite Hürde sind dann natürlich die Anschaffungskosten. Die allerdings sind überschaubar. Wenn auch hier wieder einige der Marktteilnehmer anscheinend eine Goldgrube wittern und den Kunden das Geld aus der Tasche ziehen. Aber eins nach dem anderen…
Ein entsprechendes Paket, bestehend aus PV-Modul, Wechselrichter, notwendigen Kabeln und Steckern findet man für um die 300 Euro im Internet. Angebote gibt’s teilweise schon ab € 250,-, wie in meinem Fall. Mit etwas Zubehör (falls benötigt), wie längere Leitungen, oder Montagematerial für das Modul, kommen dann schnell nochmal 100 Euro on top. Den Vogel schiesst aber die notwendige „Steckdose“ ab. Dafür darf man nochmal ganze € 25,- locker machen. Ein wenig Plastik, sonst nichts. Aber immerhin genormt nach der Vornorm VDE V 0628‐1… Bekommen habe ich für mein Geld – neben dem bisschen Plastik – ein Solarmodul mit einer Spitzenleistung von 280 Wp und einen Wechselrichter für Leistungen bis maximal 360 Wp. Sollte also passen.

25 Euro kostet die genormte Verbindung für ein Solarmodul.

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis für alle Bastler und Nicht-Bastler: Photovoltaik-Module erzeugen elektrische Spannung und elektrischen Strom. Beides kann sehr gefährlich und unter Umständen sogar tödlich sein! Wenn ihr also keine Ahnung habt, was ihr da tut, dann lasst die Finger weg, oder fragt jemanden, der eine entsprechende Ausbildung habt. Die Anbieter dieser Systeme versprechen einem zwar oft genug, dass das alles quasi „plug and play“ ist. Wer sich aber mit Strom und Elektro-Installationen nicht auskennt und das Basteln anfängt, riskiert seine Wohnung oder sein Haus und ggf. noch sein Leben und das Leben Dritter! Selbst bei diesen Kleinst-Anlagen mit weniger als 300 Watt werden Leistungen produziert, die für einen tödlichen Stromschlag, oder einen Kurzschluss mit anschließendem Kabelbrand im Haus ausreichen können. ALSO VORSICHT!

Genug der Belehrungen. Kommen wir zum praktischen Teil. Der fing bei mir damit an festzustellen, dass „Mini“-Photovoltaik gar nicht so „mini“ ist (der Mini von BMW ist übrigens auch nicht mini…). Auf dem Bild im Internet sah das PV-Modul doch so klein aus. Ist es aber nicht. Die technischen Daten weissen Abmessungen von knapp 1,70 Höhe mal 1 m Breite aus, bei einem Gewicht von knapp 19 Kilogramm. Der arme Kerl von Hermes hatte jedenfalls was zu tun, für seinen vermutlich eher kargen Lohn! Der Wechselrichter nenn sich sogar „Micro“-Wechselrichter. Bei einem Gewicht von 1,5 kg eine durchaus interessante Bezeichnung. Gut, mehr als zwei der Module dürfte ich sowieso nicht anschliessen. Da kann man mal ein Auge zudrücken. Allerdings wurde mir dann erst so richtig klar, welche Flächen man derzeit noch benötigt, um richtig Leistung zu erzeugen. Setzen wir mal einen durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 kWh in einem vier Personen Haushalt an, bräuchte man sicher 20 bis 30 dieser Module, um den eigenen Bedarf zu decken und damit eine Fläche von ca. 40-50 qm. So viel Platz wäre auf meinem Dach jedenfalls nicht, oder kaum!

Das PV-Modul mit 280 Wp.

Die dritte Hürde sind dann wieder die Regularien der Netzbetreiber. Die Anlage muss angemeldet werden. Ok! Aber das muss dann auch noch ein Elektro-Fachbetrieb machen. Ebenso wie natürlich den fachgerechten Anschluss des Systems. Ganz ehrlich: ich halte das für übertrieben. Jeder Elektro-Grill von Weber oder eines dieser mobilen Klimageräte haben höhere Leistungen, als eine 600 Watt PV-Anlage. Dass man so ein System beim Netzbetreiber melden muss, wäre ja noch ok. Aber das könnte auch formlos gehen. In 90% aller Fälle werden diese Kleinst-Anlagen ja eh keinen Strom ins Netz einspeissen, sondern lediglich den Grundbedarf im eigenen Haus etwas reduzieren. Der Netzbetreiber bemerkt davon also wahrscheinlich so gut wie nix.

Die vierte Hürde kann dann noch der Zähler sein. Für den theoretischen Fall, dass die PV-Anlage mehr Leistung produziert, als im gesamten Haushalt verbraucht wird, könnte der nämlich rückwärts laufen. Jedenfalls, wenn es ein Zähler ohne Rücklaufsperre ist, oder kein Zweirichtungs-Zähler. Und das ist verboten. Unter Umständen muss also noch ein neuer Zähler eingebaut werden.

Zählt man alle Hürden zusammen, kann so eine Mini-PV am Ende doch noch richtig teuer werden. Alles in allem kommt man da schnell auf 1.000 Euro, schätze ich. Vom bürokratischen Aufwand mal ganz abgesehen. Und einen Elektriker, der wegen so einer Kleinigkeit vorbei kommt, musst du auch erst mal finden. Ich vermute daher, dass sehr viele dieser Anlagen quasi illegal betrieben werden. Die Bezeichnung Guerilla-Anlagen kommt vermutlich nicht von ungefähr. Und dann ist das Risiko für den Netzbetreiber auf jeden Fall größer, als wenn er die Dinger einfach formlos melden liesse und dann wenigstens einigermassen genau wüsste, was da abgeht an seinem Stromnetz.

Jetzt bin ich allerdings schon wieder von der Praxis abgekommen… Alles ausgepackt und angeschaut. Beim Wechselrichter ist keinerlei Dokumentation dabei. Die findet man aber problemlos im Web, wenn auch nur auf Englisch. So wirklich braucht man die aber auch nicht. Am PV-Modul sind zwei Kabel mit Stecker. Am Wechselrichter sind insgesamt drei Kabel. Da jedes Kabel bzw. jeder Stecker nur zu einem anderen Stecker passt, kann man hier eigentlich erst mal nix falsch machen. Konkret: der Minuspol des PV-Moduls wird in den entsprechenden Stecker des Wechselrichters gesteckt und danach ebenso der Pluspol. Wie gesagt: verwechseln geht nicht. Der Wechselrichter fängt jetzt an rot zu blinken (also genau genommen die LED des Wechselrichters).

Wechselrichter von Envertech (envertec.com)

Wird nun am Ausgangsstecker eine Verbindung zu einem entsprechenden Wechselstromnetz geschaffen, fängt der Wechselrichter an zu arbeiten (und nur dann – aus Sicherheitsgründen) und speisst die erzeugte Leistung bzw. den erzeugten Strom des PV-Moduls ein. Das geht im einfachsten Fall – und nur zu Test-Zwecken – in dem man den Wechselstrom-Ausgang mit einem Stück Kabel verbindet und das Ganze in irgendeine eine Steckdose steckt. Theoretisch blinkt die LED dann grün. Hat sie bei mir aber nicht gemacht. Ich bin gespannt, wie das jetzt weiter geht (Anfrage beim Hersteller läuft – ich werde berichten).

Aber jetzt aufgepasst! Jetzt kommt das Thema, welches ich weiter oben bereits erwähnt habe und für das es tatsächlich eine eigene Norm gibt (in der nicht viel mehr steht, als dass Eins plus Eins gleich Zwei ist…). Konkret: Ein 300 W PV-Modul generiert bei Spitzenleistung einen Strom von über 1,3 Ampère (bei 230 VAC). Wenn wir die jetzt in das bestehende Leitungsnetz einspeissen, wird die vorhandene Leitung im schlimmsten Fall, bzw. je nach angeschlossenen Verbrauchern, mit den abgesicherten 16 Ampère aus dem „normalen“ Stromnetz belastet, PLUS den 1,3 Ampère aus dem PV-Modul und damit theoretisch über dem zulässigen Maximum. Das sollte man ggf. berücksichtigen und bei einer Leitung mit „üblichem“ Querschnitt von 1,5 qmm die entsprechende 16 A Sicherung z.B. gegen eine mit 10 A austauschen, um eine Überlastung bzw. Überhitzung der Leitung und damit die Gefahr eines Kabelbrandes zu vermeiden. Alternativ kann man natürlich auch den Leitungs-Querschnitt im betroffenen Stromkreis von 1,5 qmm auf 2,5 qmm erhöhen, was aber in der Regel deutlich aufwändiger sein dürfte. Natürlich kann man das Ganze auch ignorieren und hoffen, dass es gut geht. Leider wird das in der Praxis auch oft genug gemacht. Kaum jemand macht sich heute noch Gedanken, ob die vorhandenen Leitungen oder Kabel für die angeschlossene Leistung überhaupt geeignet sind. Eine der häufigsten Brandursachen übrigens… Eine handelsübliche Installations-Leitung mit drei Adern und einem Leiterquerschnitt von 1,5 qmm hat nun mal in gedämmten Wänden eine maximale Belastbarkeit von 13…15,5 Ampère. Da beisst die Maus keinen Faden ab!

Auch hier gilt übrigens: Finger weg von Sicherungskästen, Sicherungen, Steckdosen oder elektrischen Leitungen, wenn ihr nicht – oder nicht so genau – wisst, was ihr tut!

Fazit der ganzen Aktion? So wirklich einfach, wie es die Anbieter teilweise versprechen, ist es dann doch nicht, den eigenen Strom zu erzeugen. Auch wenn es einfacher geworden ist. Selbst mit dem nötigen technischen Wissen, ist man heute (jedenfalls bei uns) noch auf einen zugelassenen Elektriker angewiesen und muss diverse bürokratische Hindernisse beim Stromnetzbetreiber nehmen. Wem es das Wert ist, der kann aber für vergleichsweise kleines Geld einen Beitrag zur Energiewende leisten, oder was für das eigene Gewissen tun.

Sehr einfach und schnell montieren kann man es schon, aber…

Für mich bleibt an dieser Stelle die Hoffnung, dass wir bald flächendeckend vernetzte Strom-Zähler haben und Stromnetze, die für die dezentrale Energie-Erzeugung auch wirklich ausgelegt sind. Dann werden sicher auch die Hürden weiter sinken, nicht nur die Preise!

Ein Kommentar

  1. Hei Manni, schöner Beitrag und noch schöner ist es den eigenen Strom zu erzeugen. Wir haben eine große Anlage auf dem Dach mit theoretisch möglichen 8200 W. Praktisch sinds dann im Sommer zu Mittag 7000 W max. Im Sommer und auch an sonnigen Wintertagen brauchen wir keinen externen Strom unter Tags. Der Überschuss läuft noch in die Heizung. Ist einfach ein Heizstab der im Brauch und Heizungswasser hängt. So brauchen wir im Sommer auch so gut wie kein Gas und meine Frau muss auf die Bodenheizung im Bad auch im Sommer nicht verzichten. Was dann noch an Leistung überproduziert wird, wird ins Netz eingespeist. Erweitern lässt sich das noch durch eine Batterie, die sind aktuell aber noch zu teuer und rechnen sich schlicht nicht. Vielleicht später. Kombiniert man das ganze noch mit smarten Steckdosen für z.B. die Waschmaschine, die erst dann loslegt wenn genug eigenproduzierter Strom da ist, dann dann geht schon einiges. Ist schon ein tolles Gefühl, den Goulasch Stunden auf dem Herd blubbern zu lassen und keinen Strom dafür zu brauchen…. Ich geb Dir aber recht, dass die Zulassung und vor allem die Einspeisung viel zu bürokratisch sind. Ich glaub ich hab die Stromrechung und Einspeisevergütung bis heute nicht kapiert…

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